Wie ich Blogs schreibe

Dieser Blog ist brandneu und beinhaltet bislang nur zwei kurze Texte, die ich vor Jahren geschrieben habe. Ich wollte schon lange einen eigenen Blog aufbauen. Jetzt mache ich es endlich. Wer diese Blog-Beiträge liest, könnte irritiert sein, da nicht mit Kraftausdrücken gespart wird. Wer das nicht verkraftet (Wortspiel) sollte vom Lesen dieser Texte absehen und den Blog meines Start-ups lesen. 

Meine Strategie

Meine Strategie um Blog-Beiträge für mein Unternehmen zu schreiben ist relativ simpel. Ich überlege vorab, welche Informationen mich interessieren würden wenn ich das Thema überhaupt nicht kennen würde. Auf dieser Basis baue ich ein Grundgerüst auf, meine Alpha-Version. Wenn die fertig ist, stelle ich mir die Frage, was einen Leser interessieren würde, der schon einiges über das Thema weiß. Daraufhin versuche ich, auch für solche Leser etwas Interessantes in den Blog-Beitrag zu setzen. Sobald ich fertig bin, steht ein Text, der gut und gerne veröffentlicht werden könnte. Eine solide Arbeit, die wissenschaftlich fundiert und doch nicht zu abgehoben über ein Thema informiert. Dann stelle ich mir die dritte Frage: Wieso sollte jemand, der sich mit dem Thema sehr gut auskennt, diesen generischen Blog-Beitrag lesen?

Ich bin kein Raketenwissenschaftler und meine Blog-Beiträge handeln von relativ alltäglichen Themen, über die eine Menge Menschen durch die Medien bereits recht gut informiert sind oder glauben informiert zu sein. Daher habe ich mir überlegt, meine Blog-Beiträge mit Gedanken zu versehen. Das sieht dann etwa so aus.

Während ich den Beitrag schreibe, fällt mir wie Schuppen von den Augen, dass ich selbst zu der Sorte Menschen gehöre, die nie Blogs lesen. Ich weiß daher überhaupt nicht, wie ein klassischer Blog aussieht. Okay, ich musste früher für die Arbeit Blogs von Frauen lesen, die eine Beautykiste geschenkt bekommen haben und dann „ganz authentisch“ von ihren Erfahrungen berichtet haben. Aber das waren keine echten Blogs sondern eher ausführliche Amazon-Rezensionen für die bezahlt wurde. Obwohl… Wird nicht für die meisten Amazon Rezensionen bezahlt?

Was soll das bringen?

Durch diese Art des Einschubes, bekommt der Text meiner Ansicht nach einen ganz neuen Drive. Die Gedanken wechseln sich mit den ernsten Teilen des Textes ab und lockern das Ganze etwas auf. Wenn die Leute einen journalistischen Artikel lesen wollen, gehen sie auf SPON und sollen sie meinetwegen auch. Ich will unterhalten und informieren. Ein schöner Nebeneffekt: Der Leser lernt den Schreibenden, also mich, besser kennen, da die Gedanken ungefiltert und ehrlich sind. Natürlich kann ich die Authentizität nicht beweisen, aber das kann man ja nie.

Call to Action

Schreibt einen Blog mit einem Titel wie „Kleidungsindustrie: Ein Outfit für 2 Euro die Stunde“ und lasst eure eigenen Gedanken einfließen. Das hilft euch außerdem, den Rest des Textes, also der Part, der nicht kursiv ist, objektiv und sachlich zu schreiben. Wenn am Ende doch ein sachlicher Blog-Beitrag stehen soll, weil euer Chef meckert oder eure Kollegen, dann löscht ihr einfach eure Gedanken und habt einen soliden Beitrag, bei dem die Emotionen bereits gefiltert sind 😉 . Postet den Link zu eurem Blog unter diesen Beitrag oder schreibt mir eine PN, dann baue ich eure Beiträge hier nachträglich ein.

Schaut euch auch meine anderen Texte an. In einem habe ich meine Erfahrungen mit der Musterung geschildert.

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Supermarkt

In der Uni begegnen einem viele tolle Menschen mit enormen Wissensdurst. Die werden dich intellektuell herausfordern und mit dir disputieren das es eine reine Freude ist. Du wirst es da mögen.

Arschlecken. Da steht man mutterseelenallein mit stinkenden Sachen aus dem Wäschekorb, gerade genug bekleidet nicht unsittlich zu wirken, im Supermarkt und glotzt. Die Haare sind fettig und stehen hinten dämlich ab und man glotzt. Glotzt, weil man vergessen hat, was man noch mal hier wolltest. Milch holen? Nein, kann ja gar nicht. Laktoseintoleranz seit dem großen 43-mit-Milch-Gelage von 2004. Minuten verstreichen, vielleicht auch Stunden. Mein zweitausend-Yard-Starren geht durch das Gemüseregal, eine Hausfrau, die Wand vom Edeka bis in den Heimatort zu Mama, wo es heute mit Sicherheit etwas leckeres zu Essen gibt. Ein Speichelfaden zieht sich langsam an der Unterlippe herunter und kurz bevor er abreißt, schlürfe ich ihn geräuschvoll hoch, was mich augenblicklich aus meiner Paralyse holt. Kurz orientieren. Hoffentlich begegnet man keinem, den man kennt. Small-Talk im Supermarkt ist einfach ätzend und peinlich, weil man sich nach der Verabschiedung noch vier mal im Gang begegnet und am Ende voreinander an der Kasse steht und sich gegenseitig wie zwei Arschlöcher ignoriert.

Ich lasse mich vom leuchtenden Gemüseangebot und dem Inhalt anderer Einkaufswagen inspirieren. Vor meinem inneren Auge manifestiert sich ein riesiger Topf Chili für drei Tage, falls keiner schnorren kommt. Perfekt! Genau was ich wollte, glaube ich. So jetzt aber mal effizient werden und zack, zack alles organisieren. Nichts da. Ungläubig finde ich mich vor dem Regal in dem die Bohnen zu stehen haben wieder und schaue auf Ananas. Werde ich alkoholdement oder was? Es findet sich nämlich nichts in diesem scheiß Supermarkt, diesem Scheißmarkt. Die haben alles, aber dieses mal wirklich ALLES umgestellt. Dass die nicht die Wursttheke an die Decke geschraubt oder einfach alle Produkte in der Mitte zu einem riesigen Berg aufgetürmt haben, ist noch alles. Ich habe Werbe- und Konsumentenpsychologie studiert und kann mich dunkel an eine Vorlesung erinnern. Da haben sie uns mal erzählt, wieso die Supermärkte ihre Produkte neu ordnen. Ich habe natürlich vergessen wie das auf wissenschaftlich heißt, aber im Grunde soll ich hier verarscht werden. Wir blöden Einkäufer sollen nämlich durch den ganzen Supermarkt rennen, am besten die gleichen unlogischen Wege nehmen, damit wir wirklich jedes Produkt sehen und uns vielleicht zu einem Spontankauf hinreißen lassen. Nicht mit mir. Drei mal Tiefkühllasagne Alberto und ab dafür. Hab schließlich nicht den ganzen Tag Zeit.

Musterung

„Es ist alles so erniedrigend“, murmelt ein blasser Junge neben mir. Es war erniedrigend. Mit 17 Jahren wie ein Tier auf Herz und Nieren geprüft zu werden, klingt erst mal vernünftig. Schließlich sollen kein geisteskranken Krüppel unser Land verteidigen. Zumindest soll man nicht schon vorher ein geisteskranker Krüppel sein. Aber warum mussten sie uns an die Eier fassen und husten lassen. Den Unglückseligsten wurde noch kurz mit dem behandschuhten Finger an der Kimme gefühllos entlanggestrichen. Die Regeln für die anale Penetration, kannte eigentlich keiner. Vollkommen willkürlich, ähnlich wie die Entscheidung des Türstehers vor’m Berghain. Nackt und einen Gummidildo auf der Stirn – kannst rein. Oder auch nicht, scheißegal. Keiner hatte im Wartezimmer bisher groß geredet. Die Lust war uns vergangen. Vorher noch große Sprüche geklopft und erlogenen Lausbubengeschichten über bis zum Rand vollbepinkelte Becher gelauscht. Jetzt ganz klein mit Hut und Schiss. Das Selbstvertrauen natürlich mit dem eigenen nackten Körper umzugehen, wurde im Alter von 17 oder 18 Jahren erst nach und nach geweckt. Man hatte schon Sex gehabt, das ja. Aber von der widerwärtigen Art und Weise zu vögeln, wie man es erst mit Mitte zwanzig, vollkommen zugedröhnt, auf einer Unitoilette erlebt, waren die allermeisten noch weit entfernt. Bevor ich den blassen Kerl aufmuntern konnte, war ich auch schon an der Reihe. Alles abschütteln, Rotz hochziehen und den Geist verschließen. Das geht vorbei. Du kannst dich in zehn Jahren vermutlich gar nicht mehr daran erinnern… Bemüht nonchalant schlendre ich cool in den Raum. Scheiße, alles Weiber. Die Sekretärin und eine Kollegin beim Plausch, sowie die Ärztin.

„Hallo, Herr Schneider.“

„Hallo.“

„Soooo, ziehen Sie sich bitte mal aus.“

Es war nicht eindeutig formuliert und ich hatte meinen geliebten Jetzt-ist-alles-egal-Zustand erreicht. Jedenfalls stand ich 10 Sekunden später nackt im Raum. Die Ärztin blickt gelassen von ihrem Klemmbrett auf und sagt genüsslich.

„Die Unterhose können Sie anbehalten, das machen wir gleich hinter dem Vorhang.“

Knallroter Kopf. Dann lässt sie mich Kniebeugen machen und führt mich, gar nicht so verführerisch wie ich es mir erhofft hatte, hinter den Vorhang. Rechtes Ei und husten, linkes Ei und husten. Umdrehen, Arschbacken auseinander. Am liebsten hätte ich ihr mitten ins Gesicht gepupst. Hab ich aber natürlich nicht gemacht, weil das schon etwas peinlich gewesen wäre. Ich darf endlich gehen. Fehlt nur noch der Intelligenztest, bei dem ich mich aus purer Eitelkeit total anstrenge, weil ich das Gefühl hatte beim Arschtest versagt zu haben. Obwohl… eigentlich will ich gar nicht zum Bund. Ich will auch nicht Zivi machen. Rein ökonomisch war diese ganzen Musterung also eine phänomenale Geld- und Zeitverschwendung. Was sollte das alles? Ich ließ mir von einem lieben Arzt alle möglichen Kreuzallergien attestieren und die Sache hatte sich. Das weiß doch auch der Staat. Also warum? Es ging vermutlich nur darum, dem jungen Rebellen kurz vor der Volljährigkeit zu sagen: Es ist uns scheißegal, wie schlau oder überlegen du dich fühlst. Dein Arsch gehört uns und wir können dich vom Intellektuellen ganz schnell zu Vieh degradieren und wieder zurück. Da kannst du gar nichts machen Schlaumeier. Wir holen dich wenn es sein muss bei dir zuhause aus deinem Bett und schleifen dich bei Nacht und Nebel zum Kniebeugen machen und Arschlochgucken.

Wenn man in zwanzig Jahren seinen Kindern erzählt, dass es eine Wehrpflicht gab und man von den Feldjägern einkassiert wurde, wenn man nicht angetreten ist, wird das genauso unglaublich sein, wie wenn mir jemand erzählt, dass man vor 40 Jahren noch als Schüler vom Lehrer geschlagen wurden.